Aufbau der Palme
Palmen bieten eine große Palette von Wuchsformen : Angefangen bei zierlichen Arten, die knapp einen halben Meter messen, über Unterholzpflanzen und mannshohes, schier undurchdringliches Dickicht bis hin zu Solitären, die mit einer Wuchshöhe von über 60 m das Dach des tropischen Regenwaldes durchbrechen, ist in dieser Familie alles möglich.


Stammformen

Innerhalb der Palmenfamilie kann man fünf Grundtypen von Stammformen unterscheiden, die natürlich auch den Habitus (Wuchsform) der Pflanze ganz nachhaltig bestimmen.

Der Einzelstamm auch Solitärstamm genannt, erreicht bei der Wachspalme (Ceroxylon quindiuense) eine Höhe von etwa 60 m.

Mehrfachstämme entstehen durch Bildung von Schößlingen bzw. durch unterirdische Rhizome. Die Stämme solcher Arten, beispielsweise der Fischschwanzpalme (Caryota mitis), werden nicht besondeis hoch, sondern bilden Büsche und Dickichte.
Unterirdische und kriechende Stämme sind so dünn, daß sie die Krone nicht tragen können, wie es bei Serenoa repens dei Fall ist.
 
Kletternde Stämme sind in der Regel sehr dünn. Ein Beispiel hierfür sind Calamus-Arten.
 
Verzweigte Stämme treten von Natur aus nur bei Hyphaene-Arten auf; alle anderen Exemplare mit verzweigten Stämmen sind botanische Besonderheiten.
 
Stammoberflächen
Die Oberflächen der Palmenstämme sind glatt oder geringelt (Blattnarben, regelmäßig oder unregelmäßig), mit Blattbasenresten versehen, mit Fasergewebe bedeckt oder mit Dornen oder Stacheln ausgestattet.

Wurzeln
Die bei der Keimung gebildete Primärwurzel stirbt bald nach der Bildung der sogenannten Adventivwurzeln ab. Diese entspringen dem zentralen Bereich der Stammbasis und bilden ein breites Wurzelsystem. Palmenwurzeln weisen kein sekundäres Dickenwachstum auf, sondern behalten ihre ursprüngliche Dicke bei.

Dies unterscheidet sie von den Wurzeln der Bäume und Sträucher, die über eine Hauptwurzel verfügen, von der zahlreiche Seitenwurzeln abgehen. Trotz des meist geringen Durchmessers gewährleisten die Palmenwurzeln dank ihrer großen Anzahl und ihrer Länge eine feste Verankerung. Ein solches Wurzelpostament findet man vor allem bei freistellenden Palmen oder Palmen, die bei lediglich saisonalem Nieder- schlag auf tiefe Wurzeln zur kontinuierlichen Feuchtigkeitsgewinnung angewiesenen sind. Die bewurzelte Fläche kann größer sein als der Durchmesser der Krone. Bei begrenzten Bodenverhältnissen, wie sie die Kübelpflanzen antreffen jedoch auch mit sehr wenig Platz auskommen, sofern das Substrat genügend Nährstoffe enthält bzw. zugeführt werden Das erklärt warum manche großen Palmen in recht kleinen Kübeln gehalten werden können. Reicht der Platz für die Wurzeln dennoch nicht mehr aus, schiebt sich der Wurzelballen langsam aus dem Topf heraus. Das ist ein sicheres Signal für baldiges Umtopfen in ein größeres Pflanzgefäß. In ungünstigen Boden- verhältnissen haben Optimierungen des Wurzelsystems stattgefunden. Diese sind vor allem aus Gebieten bekannt, wo sich die Wurzeln oberirdisch am Gestein fest- klammern. Nur wenige Palmenarten bilden Luft oder Stelzwurzeln.

Blätter, Blattbasen, Blüten und Früchte
Die typischen Fächer- oder Fiederblätter sind je nach Art in unterschiedlichen Grüntönen das attraktivste Merkmal der Palmen; sie machen viele Arten zu Lieblingsrequisiten der Innenarchitekten. Die Blüten, rispig oder ährig angeordnet, zeigen für Blütenpflanzen ungewönlich diskrete Farben. Die Früchte hingegen präsentieren sich in Form, Farbe und Größe so vielgestaltig wie bei kaum einer anderen Pflanzenfamilie.

Blattformen
Bei Palmen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Fächer- und Fiederblättern. Jedes Blatt setzt sich aus Blattgrund, Blattstiel (Petiolus) und Blattspreite (Lamina) zusammen. Der Blattgrund umschließt bei manchen Arten als Blattscheide nahezu

Nach dem Abfallen des Blattgrundes verbleiben an der Ansatzstelle mehr oder weniger stark ausgeprägte Narben. Bei starker Vergrößerung des Blattgrundes scheint dieser den Stamm zur Krone hin zu verlängern, man spricht dann von einem Kronenschaft. Dieser ist meist glatt und von etwas hellerer Farbe als das Blatt, kann jedoch auch bedornt sein. Bei Roystonea regia erreicht der Kronenschaft die beachtliche Höhe von 3 m.

Bei der Blattspreite lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden: die fieder- und fächerförmigen. Geht der Blattstiel bei einer Fächerpalme in die Blattspreite über, spricht man von einem costapalmaten Blatt, wie es beispielsweise Washingtonia filifera aufweist. Endet der Blattstiel an der Blattspreite, handelt es sich um ein palmates Blatt. Ein einfach gefiederles Blatt wird vom Botaniker als pinnat bezeichnet.
Die Blattspreite einer Fächerpalme ist mehr oder weniger tief in zahlreiche Segmente, die in sich selbst nochmals geteilt sein können, eingeschnitten. Es kann aber auch nahezu ungeteilt sein und dabei eine kreisrunde Form wie etwa bei Licuala grandis annehmen. Der Blattstiel befindet sich zwischen Blattgrund und Blattspreite.
Bei den Fiederpalmen setzt sich der Blattstiel nach Abgang der ersten Seitenfiedern als Mittelrippe fort. Die Fiedern variieren stark in Größe und Form. Häufig sind die ersten Fiedern, wie etwa bei Phoenix canariensis zu beobachten, in Dornen urngewandelt.
 
Blüten und Früchte
Neben regelmäßig blühenden Palmen gibt es auch Arten wie beispielsweise Corypha, die nur ein einziges Mal blühen und danach absterben. Die Blütenstände solcher Palmen sind also im wahrsten Sinne des Wortes als einmalig zu bezeichnen. Bei der Talipotpalme (Corypha umbraculifera) erreichen die Blütenstände eine Länge von bis zu 10 m und eine Blütenanzahl von mehreren Millionen! Das ist bei dieser Palme allerdings erst in einem Alter von etwa 80 Jahren der Fall.

Palmenfrüchte sind überaus vielgestaltig. Sie erreichen Größen von wenigen Millimetern und Gramm bis hin zu Ausmaßen der Sevchellennuß, mit etwa 50 cm Länge und einem Gewicht von bis zu 30 kg. Manche sind glatt und glänzend, andere mit Fasern bedeckt. Die Farbpalette der Früchte variiert von Schwarz über Braun und Grau bis hin zu leuchtendem Gelb und Rot. Man unterteilt die Palmenfrüchte in Stein- und Beerenfrüchte. Eine bekannte Steinfrucht ist zum Beispiel die Kokosnuß, deren Aufbau einer Kirsche ähnelt. Außen ist sie von einer glatten Haut, dem Exocarp umgeben. Unter ihr befindet sich faseriges Gewebe, das sogenannte Mesocarp. Dieses umgibt den harten Kern, das Endocarp. in diesem ist der Samen eingeschlossen.
Das Endocarp der Beerenfrüchle hingegen ist weich und mit dem Samen verwachsen. Das Fruchtfleisch mancher reifer Früchte ist eßbar.